Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien: Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Bielefeld e.V

„Unsere Kinder sind später der erwachsene Teil der Gesellschaft. Wenn wir die verlieren, weil sie sich abgehängt und nicht wertgeschätzt fühlen, haben wir ein echtes Problem.“ Dorothe Redeker ist Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes in Bielefeld. Ich habe sie gefragt, welche Angebote der Verein den Kindern und Familien genau macht und vor welchen Problemen gerade sozial schwache Familien in unserer Heimatstadt stehen.

Dorothee, wie engagiert sich der Deutsche Kinderschutzbund in Bielefeld?

Als Ortsverband des Deutsches Kinderschutzbundes unterstützen wir Familien, die vor verschiedenen Herausforderungen stehen. Kurz gesagt: Wir beugen Krisen vor und helfen Kindern und ihren Familien dabei, Probleme zu lösen.

Welche Probleme haben denn Familien, die ihr unterstützt?

Das lässt sich so nicht verallgemeinern. Manchmal ist ein Elternteil psychisch erkrankt, muss öfter zu einer Behandlung oder ist anderweitig sehr belastet. Unsere mehr als 180 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen diese Familien, indem sie sich als Pate oder Patin um die Kinder kümmern.

Die Begleitung und Erziehung von Kindern zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten gehört zu den wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft.
Was genau beinhaltet diese Patenschaft?

Unsere ehrenamtlichen Patinnen und Paten begleiten Familien und bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Sie helfen bei den Hausaufgaben, bringen die Kinder zum Sport oder unternehmen verschiedene Freizeitaktivitäten. Unsere Paten sind dabei echte Bezugspersonen, mit denen man – genau wie mit einem Freund – über alles reden kann. Natürlich auch über Probleme, Sorgen und Ängste.

Sind die Ehrenamtlichen denn ausgebildete Pädagogen?

Nein. Einige unserer Paten sind zwar Pädagogen oder studieren in diese Richtung, ansonsten ist unser Team aber eine bunte Mischung. Und genau das ist auch unsere Stärke. Die Ehrenamtlichen selbst werden aber von pädagogischen Fachkräften betreut und erhalten eine regelmäßige Beratung und Schulung.

Wie lange dauern die Patenschaften in der Regel?

Ziel ist es, dass die Ehrenamtlichen sich mindestens ein Jahr Zeit für die Patenschaft nehmen. Nur dann kann eine echte Bindung entstehen. Gerade für Studenten ist das aber nicht immer möglich, etwa, weil ein Auslandssemester ansteht. Deshalb sollte man sich wirklich gut überlegen, ob man die Zeit investieren kann und möchte. Wir haben aber auch Patenschaften, die seit mehr als sieben Jahren bestehen. Besondere Lebensereignisse wie ein Schulwechsel oder die Konfirmation, werden dann von den Paten miterlebt und begleitet. Zu wissen, dass immer jemand da ist, dem ich mich anvertrauen kann, ist für alle Kinder sehr schön.

„Unsere Paten sind echte Bezugspersonen, mit denen man – genau wie mit einem Freund – über alles reden kann.“
Kann jeder eine Patenschaft übernehmen?

Im Prinzip schon. Man sollte aber jede Menge Empathie mitbringen und genügend Zeit haben. Bevor eine Patenschaft übernommen wird, führen unsere Fachkräfte Gespräche mit den Interessenten und schauen, ob die Einstellung und Motivation stimmen. Wir kontrollieren dabei auch das Führungszeugnis der potenziellen Patinnen und Paten. Uns ist wichtig, dass wir keine übereilten Entscheidungen treffen, sondern uns vorher gut kennenlernen. Dazu dienen auch unsere Austauschtreffen, bei denen sich die Ehrenamtlichen untereinander kennenlernen können und auch unsere Fachkräfte eine gute Verbindung zu den Ehrenamtlichen aufbauen können.

Habt ihr denn genug ehrenamtliche Helfer?

Nein, wir können auf jeden Fall immer Hilfe gebrauchen. Denn gerade junge Leute können die Patenschaft oft nur über kurze Zeit übernehmen und wir haben nur wenige Helfer, die schon seit zehn oder fünfzehn Jahren dabei sind.

Müssen die Familien für die Patenschaft bezahlen?

Nein. Alle unsere Angebote sind für die Familien völlig kostenlos.

Wie finanziert ihr eure Arbeit denn?

Zu einem sehr großen Teil, finanzieren wir uns durch Spenden. Da haben wir auch immer Bedarf. Teilweise werden auch Projekte durch Stiftungen, kommunale Mittel oder Bundesmittel finanziert.

Stimmt eigentlich das Klischee, dass vor allem sozial schwache Familien Unterstützung brauchen?

Das gibt es natürlich. Aber wir haben auch viele Alleinerziehende mit Kleinkindern, denen das unterstützende Umfeld fehlt. Und: Psychische Erkrankungen können jeden treffen, egal welche Bildung oder Ausbildung jemand hat oder in welcher Lebenssituation sich jemand befindet.

Den Deutschen Kinderschutzbund gibt es in Bielefeld schon seit 50 Jahren. Seither hat sich eure Arbeit sicher sehr verändert, oder?

Als wir unser 50-jähriges Bestehen gefeiert haben, stellten wir uns genau dieselbe Frage. An der eigentlichen Aufgabe hat sich nichts geändert. Die Bedingungen sind heute aber andere. Manchmal finden wir schon Verhältnisse vor, bei denen wir erst einmal schlucken müssen. Wichtig ist einfach, Vertrauen zu den Familien aufzubauen, dann werden Hilfen auch angenommen. Und wir arbeiten auch immer sehr gut mit dem Jugendamt zusammen.

Die Angebote des Vereins, sind für die Familien kostenlos.
Kannst du eine Geschichte aus den letzten Jahren erzählen, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Da muss ich an ein Projekt mit jugendlichen Paten denken. Das sind Schüler und Studierende ab 16 Jahren, die sich in ihrer Freizeit um Grundschulkinder kümmern. Ein Kind hatte gemeinsam mit seinem Paten ein Papierschiff auf den Bach in der Nähe von Olderdissen gesetzt und weil es diese Aktion so schön fand, wollte es gar nicht mehr nach Hause. Etwas eigentlich Banales, war für ihn unglaublich besonders. Gerade Kinder, die viele Geschwister haben, finden es toll, wenn sich jemand nur um sie kümmert. Diese Kinder übernehmen in ihren Familien oft schon viel Verantwortung und haben so kaum Momente für sich oder Zeit für das Spielen mit Freunden. Und genau das erleben sie mit unseren Patinnen und Paten.

Zwei Fragen zum Schluss: Was würdest du sagen, ist eine unterschätzte Qualität von Bielefeld?

Im Studium haben viele meiner Kommilitonen, die von außerhalb kamen, Bielefeld als ganz schrecklich empfunden. Lustigerweise haben genau diese Leute sich dann später Jobs in Bielefeld gesucht, weil sie es hier nach einiger Zeit doch sehr nett fanden. Bielefeld hat eben eine perfekte Größe. Alles ist gut erreichbar und ich finde die Stadt sehr lebenswert.

Und mal angenommen, du könntest für einen Tag Oberbürgermeisterin sein und müsstest auf keinen Stadtrat Rücksicht nehmen. Was würdest du dann tun?

Ich würde die gemeinnützigen Organisationen in der Stadt entlasten. Gerade die, die sich um Kinder kümmern. Denn unsere Kinder sind später der erwachsene Teil der Gesellschaft. Wenn wir die verlieren, weil sie sich abgehängt und nicht wertgeschätzt fühlen, haben wir ein echtes Problem.

Ich danke dir für das interessante Interview!

Du möchtest mehr über die Arbeit des Kinderschutzbundes in Bielefeld erfahren oder Pate werden? Auf der Website des Vereins, erhältst du alle Informationen, die du brauchst.

 

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