So erreichst du deine Ziele: Business Coach Dino Eberle im Interview

Wer andere führen möchte, muss zunächst sich selbst führen können. Wie Selbstorganisation gelingen kann, welche Rolle Ziele in unserem Leben spielen und warum nur nett sein dir nicht weiterhilft, erklärt Businesscoach Dino Eberle im Interview. Der Schweizer hat selbst ein Unternehmen im Bereich der Internet-Security aufgebaut und beschäftigte sich nach einer Krisenphase mit dem Thema Leadership. Heute berät er mit seinem Unternehmen „L4L – Leadersip Excellence“ Betriebe, Manager oder Abteilungsleiter – häufig auch in Bielefeld.

 

Täglich hochmotiviert zur Arbeit und immer ein klares Ziel vor Augen. Für die meisten Menschen bleibt dies ein ewiger Wunschtraum. Hast Du den ultimativen Tipp, wie ich mich selbst besser organisieren und Erfüllung in meinem Job finden kann?

Ist es denn wirklich so, dass das für die meisten Menschen ein ewiger Wunschtraum bleibt? Ich erlebe eine Menge Leute, die hoch motiviert arbeiten – auch wenn sie sich nicht immer gut organisieren –  und die wirklich erfolgreich sind. Und ja, dann gibt es Menschen, die sich nur schlecht motivieren können.

Während Erstere häufig recht genau wissen, was sie wollen, wissen Letztere sehr häufig, was sie nicht wollen. Die erste Gruppe mag motiviert sein, mag Freude erleben oder einen spannenden Tag bei der Arbeit verbringen. Die zweite Gruppe hingegen will nur Stress vermeiden und hat keine Lust auf öde Arbeiten. Zu wissen, was wir nicht wollen bedeutet nun mal nicht, zu wissen was wir wollen. Und damit fehlt uns Menschen ein wesentliches Element der Motivation.

Dino Eberle berät Führungskräfte wie Abteilungsleiter, Manager oder Unternehmer. Bildquelle: Björn Hokamp

Mehr Sport machen, Geld sparen oder endlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen: Wohl jeder von uns hat Ziele im Leben. Nur wenige erreichen sie. Warum ist das so und was kann ich tun, um meine Ziele auch wirklich zu erreichen?

Hier begegnen wir einem großen Irrglauben. Viele Menschen haben Wünsche oder besser noch „Wünschleins“, aber nicht wirklich ein Ziel. Wir finden uns häufig in einer Rolle wieder, in der wir „meinen“, wir hätten ein Ziel. In Tat und Wahrheit ist es meist eine „allgemeine Erwartungshaltung“, welcher wir meinen genügen zu dürfen. Wenn du etwas wirklich willst, dann wirst du auch alle Hebel in Bewegung setzen, um dein Ziel zu erreichen. Dazu gehört als erster Schritt, sich ganz klar darüber zu sein, was das Ziel wirklich sein soll. Du erinnerst dich: Es geht nicht darum, was du nicht willst, sondern darum, was du willst. Wenn du dir darüber Klarheit verschafft hast, bist du dem Erfolg wesentlich näher als der Durchschnittsmensch. Meine Empfehlung: Denke ganz genau darüber nach, wie du das Ziel erreichen wirst. Schreibe alles auf und erzähle danach mindestens zwei Personen von deinem Vorhaben.

Wir hatten 2008 eine schwere Wirtschaftskrise. Wer sich heute Konzerne wie VW anschaut gewinnt den Eindruck, dass viele Spitzenmanager nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Ist Moral ein Wert, den man für eine erfolgreiche Karriere opfern muss?

Zeitungsberichte und News-Ticker aus der ganzen Welt machen uns häufig das Fehlverhalten von „großen Managern“ präsent und zeigen auf, was da so alles schief läuft in der Management-Etage. Unmoralisches Verhalten wird zum Quasi-Standard in unserem Verständnis über Manager. Doch wir erliegen hier zwei Illusionen: Erstens dürften wir eine verzerrte Wahrnehmung haben, denn wir kriegen ja nur die Verfehlungen von einigen wenigen Entscheidern serviert. Wir haben leider keinerlei Vorstellung darüber, wie viele Unternehmen – und damit deren Manager – sich sehr verantwortungsvoll gegenüber Werten, der Umwelt oder der Gesellschaft  verhalten.

Zweitens halten wir uns ab und an für besser als andere Menschen. Wir zeigen dann gerne mit dem Zeigefinger auf sie und erliegen einer Art Überlegenheits-Illusion. Nur mit uns selbst sind wir in der Regel toleranter. Beides zusammen führt zu dieser verzerrten Wahrnehmung. Denn meines Wissens wurde noch nie wurde so viel Wert auf Complience gelegt wie heute.

Wer die Karriereleiter erklimmt, muss lernen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Bildquelle: Björn Hokamp

Flache Hierarchien und Teamwork spielen zumindest vordergründig in vielen Unternehmen eine Rolle. In deinen Seminaren und Coachings sprichst du aber über Leadership. Brauchen wir denn überhaupt noch Anführer – und falls ja – was macht eine gute Führungskraft aus?

Die Zeit der reinen „Anführer“ ist sicherlich vorbei. Wo früher noch „Ich sage, du mache“ galt, finden wir uns heute in interdisziplinären Teams wieder. Das Führungsverständnis hat sich grundlegend gewandelt. Führung findet schon länger nicht mehr nur von oben nach unten statt. Führung läuft in eben diesen Teams auch horizontal auf gleicher Ebene und immer häufiger auch „nach oben“. Das macht die erfolgreiche Zusammenarbeit nicht wirklich einfacher. Das ist auch der Grund, warum wir bei flachen Hierarchien mehr Führungskompetenz brauchen.

Wie schon erwähnt, haben sich die Anforderungen an eine Führungskraft auch diesbezüglich gewandelt. Heute stehen ganz deutlich die integrativen Fähigkeiten im Vordergrund. Wie erreiche ich die Menschen, wie setzte ich diese stärkengerecht ein? Wie gelingt es mir eine hohe Identifikation zum Unternehmen zum Produkt, zur Dienstleistung und zur Vision zu schaffen?

Mal angenommen, ich hätte mir im Laufe der Jahre den Ruf eines stets netten, verständnisvollen Chefs erworben – sehe aber, dass ich von den Mitarbeitern nicht mehr ernst genommen werde – wie kann ich den Respekt zurückgewinnen, ohne meine Glaubwürdigkeit zu verlieren? Eine 180 Grad Drehung nimmt mir ja keiner ab…

Ist es denn nicht so, dass dein aktuelles Verhalten unglaubwürdig ist? Denn deswegen respektiert man dich ja nicht! Du bist nach Aussen nett und verständnisvoll, im Inneren aber angenervt und verärgert. Das ist wirkungsschwach. Wenn du wegen gesundheitlicher Probleme deine Ernährung umstellst und dich mehr bewegst – wirst du dann unglaubwürdig? Wohl kaum, genau das Gegenteil ist der Fall!

Natürlich sind die anderen Menschen um dich herum erst einmal irritiert – schliesslich müssen sie ihre Gewohnheiten dir gegenüber anpassen. In deinem Führungsbeispiel ist es genau das gleiche. Du erkennst, dass ein Verhalten nicht hilfreich ist (und glaub mir, die anderen wissen das schon länger…). Du entscheidest also, was du anders machen kannst und idealerweise kommunizierst du das deinen Mitarbeitern. Möglicherweise werden sie dein verändertes Verhalten insgeheim begrüssen. Mit Sicherheit werden sie aber prüfen, wie ernst es dir damit ist. Und genau das ist der Schlüssel zur Glaubwürdigkeit. Denn wenn es dir gelingt, auch gegen Widerstände dein neues Verhalten zu zeigen – dann wird man dich respektieren.

Du lebst in Zürich, bist aber sehr häufig in Ostwestfalen, um hier Führungskräfte zu coachen. Sind ostwestfälische Unternehmen tatsächlich so bodenständig, oder ist das eher ein Gerücht?

Ich darf nun wirklich schon viele Jahre auch hier im Raum Bielefeld unterwegs sein. Viele Projekte haben mir die Chance gegeben, tiefer in die Unternehmen blicken zu dürfen und zu verstehen, was sie auszeichnet. Insofern mag ich gerne sagen, das dies keinesfalls ein Gerücht ist. Denn ich erlebe die Menschen und Unternehmen genauso wie der Duden „bodenständig“ definiert: Natürlich, normal und unkompliziert. Oft auch lange ansässig und „fest mit der Heimaterde verwurzelt“. Welch wunderbare Eigenschaften!

Leadership ist ein hochkomplexes Thema mit vielen Facetten. Bildquelle: Björn Hokamp

Du kennst Bielefeld mittlerweile sehr gut. Was ist deiner Meinung nach eine unterschätzte Qualität dieser Stadt?

Was mir wirklich sehr positiv auffällt ist die Offenheit und Unkompliziertheit im Generellen. Das ist natürlich jetzt nicht die Stadt, sondern bezieht sich auf die Menschen, denen ich bisher hier begegnet bin. Wir kommen jeweils sehr schnell auf den Kern eines Themas, verlieren selten Zeit mit langem „Herantasten“ und ich erlebe das Arbeiten so als sehr effizient. Ich glaube, die Innovationsbereitschaft und -fähigkeit wird deutlich unterschätzt. Es scheint mir, diese Fähigkeit wird in der Aussendarstellung noch zu wenig herausgestellt.

Wenn du für einen Tag Oberbürgermeister in Bielefeld sein könntest. Welche drei Dinge würdest Du sofort umsetzen?

Ich bin wirklich häufig und gerne in Bielefeld und würde mich wirklich gerne einmal in die Rolle des Bürgermeisters versetzen. Dann könnte ich einige der Menschen kennenlernen, die viel dazu beitragen, dass ihr so eine tolle Stadt habt. Den Tag würde ich einfach geniessen wollen, indem ich mir zum Beispiel die spannenden Ecken der Stadt zeigen lasse. Auf keinen Fall würde ich irgendwas politisches umsetzen. Denn ich maße mir nicht die ganze Kompetenz, das Fach- und Hintergrundwissen an, hier wirklich etwas Substantielles entscheiden zu können.

Dino, ich danke dir für diese interessanten Einblicke und wünsche dir viel Erfolg mit L4L.

 

Mehr über den Schweizer Businsscoach, das Thema Mitarbeiterführung und Selbstorganisation erfähst du auf der Website der L4L Leadership Excellence GmbH.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: