OCTA Steuerberater: Kanzlei-Inhaber Ralf Sommer im Interview

Existenzgründer und Jungunternehmer begeistern durch ihren Enthusiasmus. Doch auch das innovativste Startup muss sich an den Zahlen messen lassen. Ralf Sommer ist Inhaber der Steuerkanzlei und Unternehmensberatung OCTA. Im Interview verrät er, worauf Gründer achten sollten und wie ihr über Visualisierungstechniken erfolgreich an euren Zielen arbeiten könnt.

 

Wer an Startups denkt, hat häufig Städte wie Berlin oder Hamburg im Kopf. Bieten Bielefeld und Ostwestfalen gute Rahmenbedingungen für Unternehmensgründer?

Absolut. Kürzlich wurde zum Beispiel das neue Gebäude der Founders Foundation eröffnet. Die Initiative unterstützt die Startup-Szene in Bielefeld mit wertvollem Know-how. Bei der feierlichen Eröffnung waren unter anderem unser Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart und Liz Mohn anwesend. Bielefeld kann also locker mit Städten wie Hamburg oder Berlin mithalten. Auch wenn man sich die Zahlen der Unternehmensgründungen selbst anschaut, ist Bielefeld eine der führenden Städte in Deutschland. Wir haben die Infrastruktur und eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Kein Wunder also, dass auch viele etablierte Weltmarktführer in der Region angesiedelt sind.

OCTA
OCTA ist bisher mit Standorten in Bielefeld, Rheda-Wiedenbrück und bald auch Paderborn vertreten.

Eure Kanzlei berät und begleitet Existenzgründer. Welche klassischen Fehler machen junge Unternehmer denn immer wieder?

Einfach drauflosgründen – ohne einen betriebswirtschaftlichen Plan in der Tasche. Bevor du eine Unternehmung startest,  solltest du wissen, woher deine liquiden Mittel kommen und welche ganz konkreten Ziele du mit deinem Unternehmen verfolgst. Ganz konkret: Was möchtest du erreichen? Wir beraten Unternehmensgründer bei diesen und noch vielen weiteren Fragen, ohne ihnen alles vorzukauen. Wir möchten die Gründer vielmehr befähigen, ihre unternehmerischen Angelegenheiten selbst erfolgreich in die Hand zu nehmen.

Nehmen junge Gründer einen Rat dankbarer an, als gestandene Unternehmer, die seit Jahrzehnten ihren Betrieb leiten?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Alter hierbei gar nicht so eine große Rolle spielt. Viel wichtiger ist der Bezugsrahmen. Menschen, die einen sogenannten inneren Bezugsrahmen haben, hören eher auf die eigene Intention und sind etwas beratungsresistenter. Dabei ist es egal, ob jemand erst seit einem Jahr Unternehmer ist oder seit 40 Jahren. Ganz anders sind Menschen mit einem äußeren Bezugsrahmen. Diese Gründer holen sich gerne mehrere Meinungen ein und sind für einen kompetenten Rat dankbar.

Du selbst hast im Februar 2017 die Kanzlei Schlickmann übernommen. Kannst du kurz erklären, wie es dazu kam?

Ich habe in dieser Kanzlei schon als Student gearbeitet, hier neben meinem Referendariat gearbeitet und bei Schlickmann schließlich auch als Rechtsanwalt angefangen. Eigentlich hatte ich aber immer den Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu führen. Damals dachte ich gar nicht unbedingt an eine Steuerkanzlei. Im Prinzip ist aber auch eine Kanzlei eine betriebswirtschaftliche Unternehmung. Irgendwann hat mich dann der damalige Kanzleiinhaber gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, seine Nachfolge anzutreten. Ich habe zugesagt unter der Bedingung, dass ich bereits vor der eigentlichen Übernahme an der Ausrichtung der Kanzlei mitarbeiten kann. Ich wollte gestalten und so einen noch besseren Einblick in das Unternehmen erhalten, dass ich dann schließlich gekauft habe.

Du musstest nach der Übernahme der Kanzlei sicherlich schwierige oder unbequeme Entscheidungen treffen. Gab es auch Momente in denen du die Übernahme bereut hast?

Ich bin letzte Woche beim Einkaufen über die Biografie von Frank Thelen gestolpert und habe mich gefragt: Wieso hat so ein noch recht junger Mensch überhaupt eine Biografie (lacht)? Die Biografie hatte aber den Untertitel: „Hinfallen, aufstehen und die Welt verändern“. Das hat mir gefallen. Es läuft nicht immer alles nach Plan. Es gibt von Zeit zu Zeit Einschläge und Probleme. Die Kunst ist aber, aufzustehen und seinen Weg weiter zu gehen. Ich glaube, ich habe eine starke Ergebnisfokussierung, die mir in schwierigen Phasen oder Situationen weiterhilft. Als Kinder sind wir auch immer wieder hingefallen, immer wieder aufgestanden und heute können wir laufen. Es gibt nichts Schlimmeres als liegen zu bleiben. Erst dann scheitern wir.

Hattest du diese Zielfokussierung schon immer, oder hast du sie dir im Laufe der Zeit angeeignet?

Dazu gibt’s eine kleine Anekdote: Ich habe mich schon früher gerne mit Lerntechniken beschäftigt und bin damals im Studium über ein Buch gestolpert, das sich mit der Visualisierung von Zielen beschäftigt hat. Da hieß es zum Beispiel: Wenn du ein Ziel hast, musst du dir ein Bild schaffen und dieses Bild immer vor Augen haben. Mein Ziel war damals Rechtsanwalt zu werden und so habe ich mir aus dem Internet, das Mitte der 90er ja noch in den Kinderschuhen steckte, ein Bild eines Richters herausgesucht. Bilder eines typischen Anwalts habe ich damals ohne Google nicht gefunden. Dieses Bild habe ich mir ausgedruckt und auf meinen Schreibtisch gestellt.

Ich bin dann öfters umgezogen. Das Bild dieses Richters ist aber immer irgendwie mitgekommen. Dann war ich im Referendariat in meiner letzten Station und eines Tages kam der Direktor eines Gerichtes auf mich zu und sagte: „Ah Herr Sommer, Sie sind ja nun fast ein halbes Jahr bei uns. Möchten Sie nicht die offene Stelle als Richter annehmen?“ In meinem Fall hat die Visualisierung also sogar besser geklappt als erwartet (lacht). In dem Moment war ich total irritiert, bin nach Hause gefahren, habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt, das Bild angeschaut und gedacht: Deshalb bist Du heute morgen gefragt worden, ob du Richter werden möchtest. Da hat es bei mir Klick gemacht: Visualisierung und Zielfokussierung funktionieren wirklich.

Zielstrebigkeit und Ergebnissfokussierung sind auch Themen, die beim OCTA TALK diskutiert werden. Für wen ist diese neue Eventreihe gedacht?

In dieser ersten Reihe des OCTA TALK besprechen wir das Thema Leadership. Leadership ist allerdings kein Thema, welches nur den Arbeitgeber oder Unternehmer betrifft, sondern am Ende des Tages jeden von uns. Wir vertreten die Philosophie, dass Leadership – also Führung – nicht allein die Führung von Mitarbeitern oder anderen Menschen ist. Der Titel „Wie erreiche ich, dass meine Mitarbeiter tun was ich sage“ ist ja sehr provokant gewählt – im Kern geht es beim Thema Leadership aber darum zu erkennen, wie ich mich selbst führen kann.

Erst wenn ich mich selbst kenne und mich selbst führen kann, kann ich auch andere führen – und mich selbst auch führen lassen. Natürlich ist dieses Thema besonders für Unternehmer interessant, die ihre Mitarbeiter überzeugen, motovieren und begeistern möchten, damit diese die Ziele des Unternehmens erreichen.

OCTA TALK
Beim 01. OCTA TALK in Rheda-Wiedenbrück diskutierten mehr als 40 Führungskräfte zum Thema Leadership.

Welche Vision hast du eigentlich für die Kanzlei?

Meine persönliche Vision ist, dass wir dieses negative Vorzeichen, das dass Image von der Steuerberatung immer noch prägt, in ein positives Vorzeichen umkehren. Im Prinzip macht eine Steuererklärung ja erst einmal keinen Spaß. Du musst Belege sammeln, alles ordnen und dann prüfen lassen. Meistens ruft dich irgendwann der Steuerberater an und sagt, dass irgendetwas fehlt. Im schlimmsten Fall kommt dann eine dicke Steuernachzahlung und natürlich die Rechnung vom Steuerberater.

Ich möchte dem Kunden diese Last abnehmen. Dafür setzen wir zum Beispiel ganz stark auf die Digitalisierung. Am Ende des Tages soll der Kunde von unserem Service, unserer Beratung und Expertise so begeistert sein, dass er wortwörtlich ein Fan unserer Kanzlei ist.

Ich selbst habe es ja nicht so mit Zahlen: Wie kommt man denn auf die Idee Steuerberater zu werden?

Steuerberater war zumindest in der Jugend nicht mein Traumjob (lacht). Eigentlich wollte ich ja immer Anwalt werden. Ich hatte mein Schülerpraktikum in einer Anwaltskanzlei gemacht und war davon so begeistert, dass ich mich auch während meines Abiturs an einem Fachgymnasium für Wirtschaft voll in Fächer wie BWL und Steuerrecht reingekniet habe. Damals habe ich mir gedacht: „Okay, du willst zwar Anwalt werden, aber das Steuerrecht ist auch richtig cool.“ Ich habe also Jura mit dem Schwerpunkt Steuerrecht studiert und so fing alles an.

In deiner Familie war niemand Steuerberater?

Nein. Ich bin der erste in unserer Familie, der sich für diesen Beruf entschieden hat.

Viele Berufe werden durch die Digitalisierung überflüssig. Gilt das deiner Meinung nach auch für Steuerberater? Würdest du jungen Menschen empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen?

Es gibt eine Studie der Bundesteuerberaterkammer, die sagt, dass der klassische Beruf des Steuerberaters definitiv wegfallen wird. Den Bereich der Deklarationsberatung und die Datenverarbeitung übernimmt bereits heute weitestgehend die künstliche Intelligenz. Das ist aber nur ein Teil der steuerberatenden Tätigkeit und auch sicher nicht das Spannende an dem Beruf.

Das spannende ist die Beratung nach Vorne – also in die Unternehmen hineinzugehen, Menschen dabei zu helfen eine Gesellschaft zu gründen, ihr Unternehmen zu verkaufen oder ihre Altersvorsorge zu planen. Steuerberatung besteht also wie das Wort schon sagt nicht nur aus dem Thema Steuern, sondern ist auch ganz viel Beratung, die Kreativität und unternehmerisches Denken erfordert.

Bei euch können sich nicht nur Steuerberater, sondern auch BWLer oder Juristen bewerben?

Genau. Ich würde eh schätzen, dass rund 80 Prozent der aktiven Akademiker in den Steuerberatungen den Weg über ein betriebswirtschaftliches oder volkswirtschaftliches Studium gegangen sind. Die restlichen 20 Prozent zählen zu den Juristen. Wobei du natürlich auch ohne ein Studium bei einer Steuerberatung anfangen kannst. Der Steuerberater ist damit der einzige Beruf mit einer staatlichen Abschlussprüfung, einem Examen, der kein Studium voraussetzt.

Kann ich als Steuerberater auch in Unternehmen selbst arbeiten oder bin ich auf Steuerkanzleien beschränkt?

Das ist als sogenannter Syndikus-Steuerberater auch möglich. Mittlerweile kannst du dann auch deinen Titel behalten, denn als angestellter Steuerberater in einem Unternehmen, mache ich ja im Kern genau das gleiche – ich berate das Unternehmen. Nur eben von innen heraus. Die Gefahr ist natürlich, dass du dann betriebsblind wirst. Bei OCTA beraten wir ganz unterschiedliche Unternehmen und vermeiden so die Gefahr der Betriebslindheit.

Heute habt ihr Standorte in Bielefeld, Rheda-Wiedenbrück und Paderborn und wollt euch in ganz OWL ausbreiten. Ist der Bedarf an Beratung in OWL denn überhaupt so hoch?

Ja. Frage einfach irgendeinen Steuerberater in OWL. Die meisten werden im Stress sein und nur wenig Zeit haben (lacht). OWL ist wie gesagt einer der wirtschaftsstärksten Standorte in ganz Deutschland. Vielen ist das gar nicht so bewusst. Der Bedarf an der Beratung nach Vorne, die ich vorhin beschrieben habe, ist sehr hoch. Ich denke dabei vor allem an die zahlreichen Startups, die hier in der Region gegründet werden. Für diese und alle anderen Unternehmen bieten wir ein Rundum-sorglos-Paket an. Was uns auszeichnet ist, dass wir durch unsere Größe und Struktur eben nicht nur punktuell und reaktiv, sondern mit Weitblick und vorausschauend beraten.

„Wenn man sich die Zahlen der Unternehmensgründungen anschaut, ist Bielefeld eine der führenden Städte in Deutschland. Wir haben die Infrastruktur und eine starke wirtschaftliche Entwicklung.“

Was ist denn deiner Ansicht nach eine unterschätzte Qualität von Bielefeld?

Die Bescheidenheit – oder besser: Die Bodenständigkeit der Menschen. Der Kölner würde sofort sagen: Unsere Stadt ist unvergleichlich. Der Ostwestfale ist auch selbstbewusst, schreit es aber nicht so in die Welt hinaus. Ich glaube wir werden als Bielefelder oder Ostwestfalen manchmal unterschätzt. Ich persönlich mag es aber, unterschätzt zu werden. Das macht viele Dinge einfacher, als wenn man überschätzt wird.

Mal angenommen du könntest für einen Tag Oberbürgermeister von Bielefeld sein. Welche drei Dinge würdest du an Bielefeld ändern?

Mir fehlt das Wasser. Ich finde es sehr schade, dass der Untersee nie gekommen ist (lacht). Dann würde ich viele Infrastrukturprojekte beschleunigen. Gute Beispiele sind die neue medizinische Fakultät und die Erweiterung des Campus oder die Verlängerung der Straßenbahnlinie 4. Diese Projekte hätte Herr Clausen schon viel eher anschieben müssen. Auch wenn wir wie gesagt stolz auf unsere Gründungszene sein können, müssen wir Räumlichkeiten schaffen, die Existenzgründer anziehen. Das ist eine Investition in die Zukunft Bielefelds.

Ralf, ich danke dir für das Interview und wünsche dir und der Kanzlei weiterhin viel Erfolg.

Mehr über die Kanzlei und das Eventformat OCTA TALK erfährst du auf der Website der OCTA Steuerberater.

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