Ausfahrt.tv – YouTuber und Blogger Jan Gleitsmann

Ein Roadtrip mit den Kumpels quer durch die USA oder Sibirien? Für viele von uns bleibt das ein Traum. Für Jan Gleitsmann ist es Teil seines Jobs. Im Interview erzählt der YouTuber weshalb ihn die Diesel-Diskussion nervt, Tesla überbewertet ist und selbstfahrende Autos unser Leben verbessern werden.

Für dein YouTube-Format „Ausfahrt.tv“ hast du schon hunderte Autos getestet und ferne Länder bereist. An welches Modell und an welche Reise erinnerst du dich besonders gerne?

In den letzten fünf bis sechs Jahren waren eine Menge Erlebnisse dabei, die ich nie vergessen werde. Wir haben zum Beispiel mit Mazda einen Road Trip quer durch Sibirien gemacht. Allein die Vorstellung durch Sibirien zu fahren, ist für mich immer noch völlig fernab der Realität. Das war wunderschön und völlig abgefahren. Dann hatte uns Mini Motosport nach Dubai eingeladen, wo wir das Modell der Dakar Rallye die Dünen rauf- und runterfahren durften. Du siehst ja gerade selbst, wie ich beim Erzählen nicht aufhören kann zu grinsen. Das sind so Erlebnisse – die kannst du für Geld nicht kaufen. Nicht ganz so aufregend, aber trotzdem ein Traum, war ein Trip in den USA mit der neuen Mercedes E-Klasse. Wir sind damals in Los Angeles gestartet und bis nach Detroit gefahren. Wir konnten die neue E-Klasse quer durch die USA fahren, bevor das Modell überhaupt seine offizielle Weltpremiere hatte. Da kam schon so ein bisschen Route 66-Flair auf. 2016 waren wir noch einmal in den USA und sind von Miami nach Los Angeles gefahren. Auch damit habe ich mir so etwas wie einen Jugendtraum erfüllt.

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Heiße Reifen: Mit Mini Motorsport in Dubai.

Richtig cool war auch unser Besuch auf der Skywalker Ranch von George Lucas. Das war eine Geschichte für Mercedes, die dort den neuen Benz SL vorstellten. Der hatte ein richtig gutes Soundsystem. Die Musik für dieses Soundsystem wurde in den Skywalker-Studios abgemischt. Wir konnten das Studio besuchen und uns die ganzen Filmutensilien wie die Peitsche von Indiana Jones ansehen. Das war das Sahnehäubchen auf dem Trip. Diese Erlebnisse machen meinen Job unglaublich erfüllend.

Du machst kein Geheimnis daraus, dass dir die Konzerne nicht nur das Auto stellen, sondern auch das Hotel, die Anreise und die Verpflegung bezahlen. Hast du schon einmal Ärger bekommen, weil du dich kritisch über ein Auto geäußert hast?

Nein. Mich nervt eher, dass die Hersteller mir kaum ein Feedback geben. Nur einmal hat sich ein Unternehmen beklagt, dass ich auf einer Landstraße mit 200 Sachen unterwegs gewesen sei. Dabei hatte ich nur den Tacho hochgefahren und war in dem Moment gar nicht auf der Straße. Im Video konnte man aber den Eindruck bekommen. Alleine, dass die zwei Jahre gebraucht haben, mir das zu sagen, zeigt, wie unabhängig YouTuber sind. Solange du sachliche Kritik an einem Wagen übst, wirst du auch keine Beschwerden bekommen.

Seit wie vielen Jahren kannst du denn von deinen Videos leben?

Naja, ob ich davon leben kann, ist jeden Monat immer wieder aufs Neue spannend (lacht). Aber seit ich mich 2013 selbstständig gemacht habe, geht das schon. Viele stellen sich den Job aber zu romantisch vor. Die denken „Der Gleitsmann fliegt durch die halbe Welt, fährt die geilsten Karren und macht auch noch gut Geld damit“. Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

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Die Crew ist für den Fahrspaß wichtiger als das Auto.

Gibt es umgekehrt User, die dir Käuflichkeit vorwerfen?

Viele Leute verstehen nicht, wie ein Videoprojekt abläuft. Ich war jetzt für eine Nacht in New York und bin Business Class geflogen. Der Hersteller zahlt mir die Flüge und ein 5-Sterne Hotel. Klar ist das nett. Ich habe Mercedes aber auch ganz oft gesagt: „Mir reichen auch 3 Sterne“. Die lächeln dann freundlich und erklären dir, dass das ganze Ambiente zu der Marke passen soll. Als Premiumhersteller bringst du deine Gäste eben nicht in der Jugendherberge unter. Damit werden die nicht ihrem eigenen Anspruch gerecht. Was die Fernreisen angeht: Die Hersteller wollen natürlich, dass ihre Autos nett abgelichtet werden. Das geht im spanischen Sommer besser als im deutschen Herbst. Deshalb fliegen die dich nach Spanien ein und wollen, dass du es möglichst angenehm hast. Ich bin fast 150 Tage im Jahr auf Reisen. Wahrscheinlich waren 100 Nächte davon in 5-Sterne Hotels. Aber davon habe ich kaum etwas. Einmal war ich irgendwo im Pool, weiß aber nicht mal mehr genau wo und wann das war und welcher Hersteller das bezahlt hat. Ansonsten fehlt mir schlicht die Zeit, um die Hotels zu genießen. Meist möchte ich dann einfach meine Ruhe haben und schlafen.

Mal angenommen, Entfernung, Zeit und Geld spielten keine Rolle: Welche Straße oder Route möchtest du unbedingt einmal fahren und wer wäre dein Beifahrer?

Ein bestimmter Beifahrer würde mir jetzt gar nicht einfallen. Ich sehe da gleich eine Produktion und da habe ich ja ein eingespieltes Team, mit dem jeder Road Trip unglaublich Spaß macht. Was ich noch unbedingt sehen möchte, sind Australien und Südamerika. Auf beiden Kontinenten war ich bisher leider nicht. Da wäre mir dann auch das Auto egal. Wenn ich mir aber einen aussuchen müsste, wäre das dann ein McLaren. Das ist einfach ein geiles Auto. Aber auch ein VW Beetle  wäre okay. Viel wichtiger als das Auto ist eh die Crew, mit der du unterwegs bist.

Vor einiger Zeit hast du für dein Format den Silbernen Playbutton bekommen.

Genau. Den bekommst du automatisch bei 100.000 Abonnenten. Das hat mich echt gefreut und ich gucke mir das Ding ab und zu auch noch an.

Lag die Auszeichnung irgendwann einfach in der Post oder wie funktioniert so etwas?

Den musst du schon selbst anfordern. Wenn du 100.000 Abonnenten erreicht hast, kannst du ein Formular ausfüllen und nach ein paar Wochen bekommst du den Playbutton dann zugesendet.

Diesel-Skandal, gefälschte Abgaswerte und die Diskussion um Feinstaub: Hast du aktuell noch Lust, morgens die Zeitung aufzuschlagen?

Das geht mir total auf die Nerven. Ich ignoriere es aber mittlerweile – auch wenn viele Zuschauer sich vielleicht wünschen, dass ich stärker Stellung beziehen würde. Es wird teilweise so unqualifiziert über diese Themen gesprochen, dass es mir keinen Spaß macht, mich damit auseinanderzusetzen. Ich störe mich ganz einfach daran, wie emotional die Debatte geführt wird.

Was wäre denn eine Lösung?

Aus meiner Sicht ist schon diese Gretchen-Frage „Verbrenner oder Elektromotor“ falsch. Denn für reine Elektrofahrzeuge fehlt uns aktuell die Infrastruktur. Eine Alternative sind also Plug-in-Hybride, die auf kurzen Fahrten emissionsfrei unterwegs sind, auf Langstrecken aber Diesel- oder Benzin verbrauchen. Interessant finde ich übrigens, dass Vater Staat ganz groß darin ist, uns vorzuschreiben, wie wir zu leben haben, es dann aber nicht geregelt bekommt, die Busflotten der Städte mit Elektromotoren auszustatten. Wenn die Kommunen möchten, dass wir auf umweltfreundlichere Antriebe umsteigen, sollen sie doch bitte bei sich selbst anfangen.

Du liebst Autos und bist leidenschaftlicher Blogger. Wäre eine Karriere bei Auto-Motor-Sport nicht auch interessant für dich gewesen?

Ich komme ursprünglich aus dem Online-Marketing und habe schon immer viel gebloggt. Ich halte mich aber nicht für jemanden, der als Redakteur arbeiten könnte. Ich schreibe aus dem Bauch heraus und das ist nichts für klassische Verlage. Das was ich jetzt mache, gefällt mir viel besser und vielleicht brauche ich das als Rampensau auch ein wenig.

Wie bist du eigentlich an deine Testautos gekommen, als du noch nicht so bekannt warst?

Mein Blog hatte damals rein gar nichts mit Autos zu tun, zählte aber trotzdem zu den Top-50-Blogs in Deutschland. Die Reichweite war also schon da. Mercedes ist dann damals auf mich zugekommen und hat mich eingeladen. Wir haben uns etwas beschnuppert und festgestellt: „Das passt“. Mercedes war einer der ersten Hersteller, der sich intensiv mit der Bloggerszene beschäftigt hat. Alle anderen zogen dann nach. So ging das relativ fix.

Die meisten YouTube-Formate setzen auf kurze, knackige Videos. Deine Videos sind mit jeweils knapp 90 Minuten sehr lang. Wie erklärst du dir deinen Erfolg?

Als wir der Industrie vor Jahren das erste Mal unser Format vorstellten, war das Video etwa sechs Minuten lang. Die haben uns dann einen Vogel gezeigt und waren der Überzeugung, dass die Leute sich höchstens 90 Sekunden Zeit nehmen würden. Wir waren aber sicher, dass sich jemand, der sich für Autos begeistert, auch mehr Zeit nimmt. Unsere Zuschauer möchten mehr Informationen haben, als in einen 08/15-Clip hineinpassen. Lustigerweise steigen heute auch andere Auto-YouTuber auf das längere Format um.

Außerdem sind unsere Videos in Sprungmarken und Kapitel unterteilt. Egal ob Fahrgefühl, der Kofferraum oder die technischen Daten – du kannst dir den Teil aussuchen, der dich interessiert. Viele meiner User nutzen das auch genauso und schauen wirklich nur den Teil über das Fahrgefühl. Von den 90 Minuten gucken die also 10. Und das ist für mich auch völlig okay. Mein Format ist eh für Leute gedacht, die sich konkret für ein Modell interessieren und sich über das Auto im Videoformat informieren möchten. Wenn du aber überhaupt keine Vorstellung hast, welches Auto du kaufen möchtest, kann ich dir wahrscheinlich auch nicht weiterhelfen. Bei Ausfahrt TV gucken sich viele User also eher zwei Videos an, weil sie eben auch zwei Favoriten haben und eine Entscheidungshilfe brauchen. Ich gebe aber nie eine konkrete Kaufempfehlung.

Jan Gleitsmann
Ausfahrt.tv zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen YouTube-Formaten.

Ihr verzichtet ja auch auf schnelle Schnitte…

Ja, ein sehr bekannter deutscher YouTuber hat mir mal gesagt: „Mensch Jan, ich gucke deine Videos. Das ist Rock`n Roll – zum Einschlafen. Du hast so eine angenehme Stimme“ (lacht). In unseren Videos quatsche ich die Leute eben 90 Minuten zu – ohne Musik oder anderen Schnick-Schnack. Kollegen, die schöne Bilder und schnittige Videos machen, gibt es genug. Unser Format ist aus der Idee entstanden: „Ich zeige meinem besten Kumpel meine neue Karre“. So wurde Ausfahrt.tv entwickelt. Den Kumpel interessiert nicht, wie der Wagen in Spanien in den Sonnenuntergang fährt. Der will wissen, wie sich der Wagen anfühlt, wenn Du aufs Gaspedal drückst, wo der Aschenbecher ist und wie die Anlage klingt.

Du testest in deinen Videos Mclarens oder extrem teure SUVs. Privat fährst du aber einen 20 Jahre alten Opel Corsa. Warum das denn?

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich zwei dicke Firmenwagen. Nun brauchte ich aber ein eigenes Auto und habe den Corsa damals quasi geschenkt bekommen. Der Unterhalt ist billig, Reparaturen kosten kaum etwas und ich finde den Wagen einfach lustig und sympathisch. Mit einem Corsa  kannst du nichts falsch machen. Das ist nach wie vor ein gutes Auto. Mit einer Einschränkung: Die Knautschzone ist zu klein. Ich wollte den Wagen erst meiner Tochter schenken. Aber meine Tochter ist neben meinem Sohn das wertvollste, das ich habe und sie soll mehr Schutz genießen. Und gerade weil ich für meine Videos teure Autos teste, ist der Corsa eine prima Möglichkeit, mich wieder zu erden. Mehr Auto braucht kein Mensch.

Hast du schon als Kind mit Autos gespielt?

Ich erinnere mich, dass ich als Achtjähriger mit dem Fahrrad zum VW-Händler gefahren bin und Prospekte eingesammelt habe. Danach kam eine Zeit, in der mich Autos kaum interessiert haben. Das hat sich dann mit dem Führerschein wieder geändert. Damals habe ich mich in Oldtimer verliebt. Neue Modelle haben mich eher nicht gereizt. Später kamen dann eher zweckmäßigere Firmenwagen dazu. Die Leidenschaft für Autos blieb von da an aber bestehen.

Früher fieberten Teenager dem ersten eigenen Auto entgegen. Heute setzen immer mehr Leute auf Carsharing oder steigen gleich aufs Fahrrad um. Ist das nicht eigentlich eine positive Entwicklung?

Ich höre auch immer die Klagen der Autohersteller, dass der Nachwuchs kein Interesse an Autos hat. Das ist aber so nicht richtig. Die Jugendlichen heute sind auch gerne mobil, können sich das nur häufig nicht mehr leisten. Denn die modernen Modelle sind durch ihre bessere Ausstattung deutlich teurer geworden. Ein Beispiel ist der verbesserte Unfallschutz. Hinzu kommt die Abwrackprämie, die viele günstige Fahrzeuge vom Markt gefegt hat. Als Fahranfänger findest Du heute kaum noch vernünftige Autos unter 3.000 Euro. Da verstehe ich jeden der sagt: „Sorry, bevor ich jetzt einen teuren Führerschein mache und mir dann ein Auto für 6.000 Euro kaufe, fahre ich lieber zweimal mit dem Zug in den Urlaub.“

Ist also die Autoindustrie in der Pflicht, mehr kostengünstige Alternativen anzubieten?

Die gibt es teilweise schon. Ich denke da an DACIA, die selbst Neuwagenmodelle sehr günstig anbieten. Auch die Italiener bauen heute gute Autos. Ich bin zudem sehr auf die chinesischen Modelle gespannt, die in den nächsten Jahren bei uns auf den Markt kommen werden. Wenn du aber auf technische Spielereien Wert legst oder die Marke als Statussymbol betrachtest, wird es schwierig. So jemand wird dann eher nach einem gebrauchten VW Golf suchen, anstatt über den Tellerrand zu Blicken.

Sind jüngere Menschen verwöhnt, weil ihre Eltern hochklassigere Autos fahren?

Das glaube ich nicht. Jüngere Leute haben heute aber ganz andere Möglichkeiten als wir damals. Mit dem Flixbus kommst du für ein paar Euro nach Berlin – und auch wieder zurück. Wir mussten die teure Bahn nehmen und konnten uns auch nicht über das Internet oder eine App mal eben die preiswerteste Verbindung raussuchen. Das ist heute alles viel einfacher.

Autos sind mit Technik vollgestopft. Du kannst über Bluetooth telefonieren und mit deinem IPhone Musik hören. Brauchst du persönlich diese Spielereien oder geht es dir eher ums reine Fahrvergnügen?

Ich mag beides. Reine Fahrmaschinen ohne tolles Infotainment-System finde ich auch reizvoll. Wenn sich der Fahrspaß aber in Grenzen hält – und das ist zum Beispiel bei vielen SUVs der Fall, dann freue ich mich schon über eine vernünftige IPhone-Anbindung oder die Möglichkeit, Spotify zu hören und meinen Durchschnittsverbrauch exakt ablesen zu können. Ich finde beide Welten haben ihre Berechtigung.

Der Motor eines Porsches hat einen unvergleichlichen Sound. E-Autos sind ja eher Leisetreter. Wäre ein Tesla eine Alternative für dich?

Nicht unbedingt ein Tesla. Das hat aber andere Gründe. Ein Elektroauto kann ich mir ansonsten schon vorstellen. Die sind wirklich unfassbar leise. Wer das einmal selbst erlebt hat, wird mir Recht geben, dass das eine ähnliche Qualität hat wie bei einem V8 oder einem Porsche Boxter. Viele Zuschauer schreiben mir, dass sie Elektroautos ablehnen. Aus meiner Sicht sind viele ihrer Argumente aber scheinheilig. Wer heute elektrisch fahren möchte, kann das tun. Ein Problem ist bislang noch die Infrastruktur. Gerade in Großstädten muss sich da etwas ändern. Ich war gerade in Tokyo. Die haben da nicht mal mehr Parkplätze. Selbst wenn du wolltest, könntest du deinen Elektrowagen dort nicht aufladen. Kleinere Großstädte wie Bielefeld können da eine Voreiterrolle übernehmen.

Verpennt die deutsche Autoindustrie den Trend zum Elektroauto?

Das Elektroauto ist für mich nicht der Heilige Gral und es ist auch nicht das Allerheilmittel, als das es immer angepriesen wird. Dafür gibt es noch zu viele Fallstricke. Elektromobilität wird in der Zukunft eine große Rolle spielen. Aber auch Hybride haben ihre Berechtigung. Laster werden sicherlich nicht mit riesigen Akkupacks hunderte Kilometer zurücklegen. Ich glaube auch nicht, dass die deutsche Industrie hier eine Entwicklung verschläft. Der BMW i3 ist seit Jahren auf dem Markt. Warum kauft den denn keiner? Und Tesla ist da kein Vorbild. Die bauen Luxusautos für die oberen Zehntausend. 90 Prozent der Menschen, die den Hype um Tesla so befeuern, können sich den Wagen gar nicht leisten. Die brauchen eher einen Polo oder Corsa. Wir brauchen Lösungen, die in der Breite funktionieren und nicht nur für eine kleine Elite. Elon Musk ist ein Marketinggenie, aber bis auf ein oder zwei Vorzeigeautos sind die Amis nicht weiter als wir.

In deinen Video haust du unglaublich viele Zahlen, Daten und Fakten raus. Hast du das wirklich alles im Kopf?

Nein, natürlich nicht. Wenn das so wäre, würde ich als Wirtschaftsanalyst arbeiten und meinen Job als YouTuber an den Nagel hängen (lacht). Ich schreibe für jedes Review eine Moderation und habe mir ein Tool programmiert, das mir die Fakten anzeigt. So ist alles schnell im Kopf, aber auch schnell wieder vergessen. Einige Dinge bleiben aber natürlich trotzdem hängen. Gerade wenn mich ein Wagen besonders interessiert.

Wenn du dir die aktuellen Autos anguckst – welches Modell hat deiner Meinung nach das Potenzial ein Klassiker zu werden?

Da musst du dir einfach die Modelle der Premium-Hersteller ansehen. Du kannst dir einen Porsche kaufen, in die Garage stellen und einfach abwarten. Der wird immer zu einem Klassiker. Dann gibt es noch lustige und skurrile Autos, die vielleicht ihre Liebhaber finden. Schwierig wird es dann, wenn du die Wagen, die Leute in unseren Alter als Oldtimer kennen, mit den Wagen vergleichst, die vielleicht in ein paar Jahren diesen Status erreichen. Wenn ich dann die Wahl habe, entscheide ich mich natürlich immer für einen „richtigen“ Oldtimer und nicht für einen BMW Z4.

Roadtrip
Die Roadtrips sind für Jan und seine Crew einzigartige Erlebnisse.

Werden die Oldtimer mit ihren „dreckigen“ Antrieben irgendwann von der Straße verschwinden?

Es wird wahrscheinlich Einschränkungen geben. Eventuell dürfen Oldtimer dann nur noch einige Kilometer im Jahr ausgefahren werden. Ich glaube trotzdem, dass Oldtimer als Wertanlage auch in 20 bis 30 Jahren noch Bestand haben.

Im Film Fight Club gibt es eine schöne Szene, in der Brad Pitt und Edrward Norten einen New Beetle mit Golfschlägern zertrümmern – beide Schauspieler haben sich den Wagen ausgesucht, weil sie ihn nach eigenen Angaben hassen. Hast du mal ähnliche Gefühle für ein Auto entwickelt? Welches Auto findest du so richtig ätzend?

Da fällt mit der Twingo ein. Die erste Generation ist für mich mit Abstand das hässlichste Auto, das je produziert wurde. Ob ich es aber mit einen Golfschläger zertrümmern müsste…ich glaube eher nicht (lacht). Selbst das Auto ist ja mittlerweile fast ein Klassiker und irgendwie hat jedes Auto seine Berechtigung.

Freust du dich auf selbstfahrende Autos?

Ja. Das tue ich. Allein wenn ich daran denke, dass ich im letzten Jahr drei Porsche von Stuttgart nach Bielefeld überführt habe und dabei jedes Mal heftig im Stau stand, hält sich auf diesen Fahrten auch mit einem Porsche der Fahrspaß in Grenzen. Ideal wäre es, wenn ich in Stuttgart auf den Knopf drücke und diese Staupassagen entspannt hinter mich bringe, mir das System ab Dortmund aber sagt „Chef, wenn du möchtest, hast du freie Fahrt. Willst du wieder ran?“. Viele Leute haben Angst, dass sie nicht mehr selbst fahren dürfen, aber das halte ich für Quatsch. Denn es gibt ganz viele Situationen, in denen Fahren einfach keinen Spaß macht. Da ist Fahrtzeit tote Zeit, die ich besser nutzen könnte. Ich war wie gesagt letztens in Tokyo. Da ist die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit 15 Km/h. Da freust du dich doch, wenn dich das Robocap einsammelt und irgendwo wieder rausschmeißt, ohne dass du Stop and Go fahren musst.

Kannst Du Dir vorstellen, eines Tages von Autos so richtig die Schnauze voll zu haben?

Es ist schon schwierig: Ich arbeite teilweise wie am Fließband und wenn du drei Autos in der Woche testest, dann geht die Romantik ein wenig verloren. Die Videoproduktion ist harte Arbeit. Manchmal bleibt dann die Leidenschaft etwas auf der Strecke, auch wenn ich mein Format, das ich entwickelt habe, nach wie vor liebe. Vielleicht begeistere ich mich in ein paar Jahren auch für Schiffe, Hubschrauber oder Flugzeuge. Im Moment gehe ich aber schon davon aus, dass ich die nächsten Jahrzehnte bei dem Thema Autos bleibe.

Gibt es in Bielefeld eine Straße, die du besonders gerne fährst?

Ja, aber ich weiß nicht, wie sie heißt (lacht). Allgemein finde ich, dass Bielefeld nicht gerade für freudiges Fahren steht. Du hast hier kaum eine kurvige Strecke, wo nicht sofort eine extreme Geschwindigkeitsbegrenzung ist und selbst die Autobahnen wie die A33 sind zu voll, um mal etwas Gas zu geben. Hinzu kommen die Bielefelder Baufürsten, die nicht eine Hauptverkehrsader sperren, sondern gleich drei.

Was ist denn deiner Ansicht nach eine unterschätzte Qualität von Bielefeld?

Als gebürtiger Berliner bin ich hier über die ZVS gestrandet und wollte eigentlich gleich wieder weg. Heute weiß ich die Stadt aber zu schätzen. Wir haben keinen Fluss, der über die Ufer tritt. Das mag erstmal albern klingen, aber wenn du am Rhein oder an der Weser wohnst, sieht das ganz anders aus. Wir haben auch keinen Fluglärm, sind aber trotzdem schnell in Holland, Hamburg, Köln oder Berlin. Außerdem hat Bielefeld alle Qualitäten einer Großstadt – gerade im Hinblick auf die Kultur. Und: Die Stadt ist unglaublich grün. Die Ostwestfalen sind auch nicht so schlimm, wie immer alle sagen. Hier sind eine Menge netter Leute.

Wenn du für einen Tag Bürgermeister von Bielefeld sein könntest, was würdest Du ändern?

Ich würde das Park & Ride-System ausbauen. Die ganzen Autobahnpendler, die nach Bielefeld kommen, früher abzufangen, wäre eine gute Idee. Die könnten ihr Auto dann etwas außerhalb parken und anschließend kostenlos mit Bus und Bahn in die City fahren. Ansonsten kann Bielefeld gerne so bleiben wie es ist.

Mehr Videos von Jan und seinem Team findest du auf seiner Website Ausfahrt.tv und natürlich auf YouTube. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Die Videos machen extrem Laune und süchtig!

 

 

 

 

 

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